Effi Briest: Der Roman von Theodor Fontane als freies Online Buch

 

I 1 2 3 4 5
II 6 7 8
III 9 10 11 12
IV 13 14 15 16 17 18 19
V 20 21 22 23 24
VI 25 26 27 28 29 30
VII 31 32 33 34 35
VIII 36 37 38 39
IX 40 41 42 43 44 45 46
X 47 48 49 50 51 52 53
XI 54 55 56 57 58
XII 59 60 61 62 63
XIII 64 65 66 67 68 69 70
XIV 71 72 73
XV 74 75 76 77 78 79
XVI 80 81 82 83 84
XVII 85 86 87 88 89 90
XVIII 91 92 93 94 95 96
XIX 97 98 99 100 101 102
XX103 104 105 106 107 108
XXI109 110 111 112 113 114
XXII 115 116 117 118 119
XXIII 120 121 122 123 124 5
XXIV 126 127 128 129 130
131 132 133 134
XXV 135 136 137
XXVI 138 139 140
XXVII 141 142 143 144
XVIII 145 146 147
XXIX 148 149 150 151
XXX 152 153 154 155
XXXI 156 157 158
XXXII 159 160 161 162 163
164 165 166
XXXIII 167 168 169
XXXIV 170 171 172 173
XXXV 174 175 176 177 178
XXXVI 179 180 181 182

Nach diesem Übereinkommen wurde denn auch verfahren, und als Innstetten Punkt zwei Uhr den Marktplatz passierte, grüßte Crampas zunächst von seinem Schlitten aus zu Effi hinüber und schloß sich dann dem Innstettenschen an. Der Pastor saß neben ihm. Gieshüblers Schlitten, mit Gieshübler selbst und Doktor Hannemann, folgte, jener in einem eleganten Büffelrock und Marderbesatz, dieser in einem Bärenpelz, dem man ansah, daß er wenigstens dreißig Dienstjahre zählte. Hannemann war nämlich in seiner Jugend Schiffschirurgus auf einem Grönlandfahrer gewesen. Mirambo saß vorn, etwas aufgeregt wegen Unkenntnis im Kutschieren, ganz wie Lindequist vermutet hatte.
Schon nach zwei Minuten war man an Utpatels Mühle vorbei.
Zwischen Kessin und Uvagla (wo der Sage nach ein Wendentempel gestanden) lag ein nur etwa tausend Schritt breiter, aber wohl anderthalb Meilen langer Waldstreifen, der an seiner rechten Längsseite das Meer, an seiner linken, bis weit an den Horizont hin, ein großes, überaus fruchtbares und gut angebautes Stück Land hatte. Hier, an der Binnenseite, flogen jetzt die drei Schlitten hin, in einiger Entfernung ein paar alte Kutschwagen vor sich, in denen aller Wahrscheinlichkeit nach andere nach der Oberförsterei hin eingeladene Gäste saßen. Einer dieser Wagen war an seinen altmodisch hohen Rädern deutlich zu erkennen, es war der Papenhagensche. Natürlich. Güldenklee galt als der beste Redner des Kreises (noch besser als Borcke, ja selbst besser als Grasenabb) und durfte bei Festlichkeiten nicht leicht fehlen. Die Fahrt ging rasch - auch die herrschaftlichen Kutscher strengten sich an und wollten sich nicht überholen lassen -, so daß man schon um drei vor der Oberförsterei hielt. Ring, ein stattlicher, militärisch dreinschauender Herr von Mitte Fünfzig, der den ersten Feldzug in Schleswig noch unter Wrangel und Bonin mitgemacht und sich bei Erstürmung des Danewerks ausgezeichnet hatte, stand in der Tür und empfing seine Gäste, die, nachdem sie abgelegt und die Frau des Hauses begrüßt hatten, zunächst vor einem langgedeckten Kaffeetisch Platz nahmen, auf dem kunstvoll aufgeschichtete Kuchenpyramiden standen. Die Oberförsterin, eine von Natur sehr ängstliche, zum mindesten aber sehr befangene Frau, zeigte sich auch als Wirtin so, was den überaus eitlen Oberförster, der für Sicherheit und Schneidigkeit war, ganz augenscheinlich verdroß. Zum Glück kam sein Unmut zu keinem Ausbruch, denn von dem, was seine Frau vermissen ließ, hatten seine Töchter desto mehr, bildhübsche Backfische von vierzehn und dreizehn, die ganz nach dem Vater schlugen. Besonders die ältere, Cora, kokettierte sofort mit Innstetten und Crampas, und beide gingen auch darauf ein. Effi ärgerte sich darüber und schämte sich dann wieder, daß sie sich geärgert habe. Sie saß neben Sidonie von Grasenabb und sagte: »Sonderbar, so bin ich auch gewesen, als ich vierzehn war.«
Effi rechnete darauf, daß Sidonie dies bestreiten oder doch wenigstens Einschränkungen machen würde. Statt dessen sagte diese: »Das kann ich mir denken.«

 

© 2008 - Impressum - Datenschutz - Zusammenfassung - Hintergrund
Effi Briest - Der Roman von Theodor Fontane aus dem Jahre 1895 mit allen 36 Kapiteln als Online Buch zum freien lesen.