Effi Briest: Der Roman von Theodor Fontane als freies Online Buch

 

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VIII 36 37 38 39
IX 40 41 42 43 44 45 46
X 47 48 49 50 51 52 53
XI 54 55 56 57 58
XII 59 60 61 62 63
XIII 64 65 66 67 68 69 70
XIV 71 72 73
XV 74 75 76 77 78 79
XVI 80 81 82 83 84
XVII 85 86 87 88 89 90
XVIII 91 92 93 94 95 96
XIX 97 98 99 100 101 102
XX103 104 105 106 107 108
XXI109 110 111 112 113 114
XXII 115 116 117 118 119
XXIII 120 121 122 123 124 5
XXIV 126 127 128 129 130
131 132 133 134
XXV 135 136 137
XXVI 138 139 140
XXVII 141 142 143 144
XVIII 145 146 147
XXIX 148 149 150 151
XXX 152 153 154 155
XXXI 156 157 158
XXXII 159 160 161 162 163
164 165 166
XXXIII 167 168 169
XXXIV 170 171 172 173
XXXV 174 175 176 177 178
XXXVI 179 180 181 182

»Ja und nein, wie man's nehmen will. Innstettens gibt es hier nicht, gibt es, glaub ich, überhaupt nicht mehr. Aber er hat hier entfernte Vettern von der Mutter Seite her, und vor allem hat er wohl Schwantikow und das Bellingsche Haus wiedersehen wollen, an das ihn so viele Erinnerungen knüpfen. Da war er denn vorgestern drüben, und heute will er hier in Hohen-Cremmen sein.«
»Und was sagt dein Vater dazu?«
»Gar nichts. Der ist nicht so. Und dann kennt er ja doch die Mama. Er neckt sie bloß.«
In diesem Augenblick schlug es Mittag, und ehe es noch ausgeschlagen, erschien Wilke, das alte Briestsche Haus- und Familienfaktotum, um an Fräulein Effi zu bestellen: Die gnädige Frau ließe bitten, daß das gnädige Fräulein zu rechter Zeit auch Toilette mache; gleich nach eins würde der Herr Baron wohl vorfahren. Und während Wilke dies noch vermeldete, begann er auch schon auf dem Arbeitstisch der Damen abzuräumen und griff dabei zunächst nach dem Zeitungsblatt, auf dem die Stachelbeerschalen lagen.
»Nein, Wilke, nicht so; das mit den Schlusen, das ist unsere Sache... Hertha, du mußt nun die Tüte machen und einen Stein hineintun, daß alles besser versinken kann. Und dann wollen wir in einem langen Trauerzug aufbrechen und die Tüte auf offener See begraben.«
Wilke schmunzelte. Is doch ein Daus, unser Fräulein, so etwa gingen seine Gedanken. Effi aber, während sie die Tüte mitten auf die rasch zusammengeraffte Tischdecke legte, sagte: »Nun fassen wir alle vier an, jeder an einem Zipfel, und singen was Trauriges.«
»Ja, das sagst du wohl, Effi. Aber was sollen wir denn singen?«
»Irgendwas; es ist ganz gleich, es muß nur einen Reim auf 'u' haben; 'u' ist immer Trauervokal. Also singen wir:
Flut, Flut, Mach alles wieder gut ...«
Und während Effi diese Litanei feierlich anstimmte, setzten sich alle vier auf den Steg hin in Bewegung, stiegen in das dort angekettelte Boot und ließen von diesem aus die mit einem Kiesel beschwerte Tüte langsam in den Teich niedergleiten.
»Hertha, nun ist deine Schuld versenkt«, sagte Effi, »wobei mir übrigens einfällt, so vom Boot aus sollen früher auch arme, unglückliche Frauen versenkt worden sein, natürlich wegen Untreue.«
»Aber doch nicht hier.«
»Nein, nicht hier«, lachte Effi, »hier kommt sowas nicht vor. Aber in Konstantinopel, und du mußt ja, wie mir eben einfällt, auch davon wissen, so gut wie ich, du bist ja mit dabeigewesen, als uns Kandidat Holzapfel in der Geographiestunde davon erzählte.«
»Ja«, sagte Hulda, »der erzählte immer so was. Aber so was vergißt man doch wieder.«
»Ich nicht. Ich behalte so was.«

 

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Effi Briest - Der Roman von Theodor Fontane aus dem Jahre 1895 mit allen 36 Kapiteln als Online Buch zum freien lesen.